Ein Haus im winterlichen Licht

An diesem verschneiten Heiligabend schien seit langem wieder die Sonne und erfüllte die Welt mit ihren zarten Strahlen, die auf der Schneedecke wie kleine Diamanten glitzerten. Der Wintertag entfaltete seine Schönheit in einem harmonischen Zusammenspiel von Licht, Farben und Kälte. Das helle Gestirn hängt tief am wolkenfreien, hellblauen Himmel. Die Schatten der Bäume strecken sich lang und dünn über den Schnee, als wollten sie vor dem goldenen Schimmer fliehen.

Die Stille des heutigen Tages ist besonders spürbar. Lediglich das gelegentliche Knirschen der Kristalldecke unter den Füssen von Spaziergängern oder dem leisen Flüstern des Windes, der durch die kahlen, vom Winterweiß erschwerten Ästen weht, unterbricht diese besinnliche Ruhe.  Die klare, kalte Luft beißt in den Lungen und lässt sie Wangen in einem leichten Rot erscheinen. Der Atem kondensiert in kleinen Wölkchen, die bald darauf in der Winterluft verhallen und sich auflösen.

Mit der Dämmerung neigt sich der Tag dem Ende. Die Sonne sinkt immer tiefer, bis sie nur noch ein glühender Ball am Horizont ist. Sie färbt den wolkenfreien Himmel in den unterschiedlichsten Farben und taucht den Schnee in einem goldenen Schimmer, der nach und nach in ein blau wechselt. Mit dem Untergehen tauschte die Sonne ihren Platz mit dem Mond, der in diesem klaren Abend mit seinem hellen Schein an dem sternenklaren Himmel thront.

Mit der Zeit leuchten immer mehr der kleinen Sterne auf, und bald funkelt das ganze Himmelszelt. Der Mond wirft sein silbernes Licht auf die Landschaft und lässt die weiße Decke gleißen. Die Welt verfällt in einen tiefen Schlaf. Kein Vogel ist zu hören und es ist als würde, alles den Atem am heutigen Tag anhalten. Der Wintertag endet und geht in eine klare, kalte Winternacht über. 

Die verschneite Landstraße ist fast leer, nur ein Auto fährt durch diesen sternenverhangenen Abend und sucht sich vorsichtig den Weg zu seinem Ziel. Dieses Jahr wollte sich der Freundeskreis in dem kleinen Landhaus treffen, dass schon seit Generationen im Besitz der Familie der Ältesten in der Freundesgruppe war. Sie wohnte noch nicht lange dort und hatte zu diesem Weihnachtsfest alle engen Freunde eingeladen.

Seit sie das Haus im Frühjahr übernommen hatte, hatte sie die Freunde nicht treffen können und umso mehr freute sie sich über ihren Besuch. Es war mittlerweile über zehn Jahre, dass die Freunde gemeinsam Heiligabend verbrachten, und immer war es dasselbe Ritual, mit dem sie die Weihnachtstage begrüßten. Sie schmückten gemeinsam den Baum und aßen Brathähnchen mit Kartoffelpüree. Dann beschenkten sie sich und am späten Abend trennten sich ihre Wege, da sie am nächsten Tag ihre Familien besuchten.

Der Wagen fuhr auf die gepflasterte Auffahrt und ein Raunen ging durch die Insassen. Das Haus war festlich geschmückt. An der hellen Fassade hing eine Lichterkette und an dem hölzernen Carport waren Tannenzweige befestigt. In den kleinen Fenstern hingen leuchtende Pappsterne und an der Tür befand sich ein schön dekorierter Tannenkranz. Sie stellten das Auto vor dem Carport ab und stiegen aus. Noch bevor jemand an der Tür klingeln konnte, stand ihre Freundin in der Tür und begrüßte sie mit einem freudigen Lächeln.

Nach einer kurzen, herzlichen Begrüßung begann bereits eine Aufteilung der bevorstehenden Aufgaben. Einige der Freunde wurden beauftragt, den Tannenbaum aus dem Garten in das Wohnzimmer zu bringen, während der Rest das Auto auslud und die Gegenstände in den Hausflur stellten.

Nach wenigen Momenten hatten, sich alle Freunde im Wohnzimmer getroffen und begannen die große Tanne an den vorbereiteten Platz aufzustellen. Das enge Netz, mit dem die Äste des Baumes zusammengehalten wurde, durchtrennte einer der Freunde gekonnt, worauf sich bald die Tanne in seiner ganzen Größe entfaltete.

Nachdem das geschafft war, wurden die Mitbringsel sortiert. Die Geschenke brachten sie in das Wohnzimmer. Während die Hähnchen, welche immer die Kleinste der Freundesgruppe vorbereitete in die Küche kamen. Dort stand bereits ein großer Topf mit geschälten Kartoffeln auf dem Herd, der nur darauf wartete, weiter verarbeitet zu werden.

Die Hähnchen wurden am Vortag mit einer selbst gemachten Gewürzmischung mariniert und müsste für ungefähr zwei Stunden im Ofen gebacken werden, ehe man sie essen konnte. Nachdem das Lebensmittel in dem Backofen verschwunden war, stellte man eine Zeitschaltuhr auf eine halbe Stunde, um das Geflügel zu wenden und erneut mit der Marinade zu bestreichen.

Im Wohnzimmer hörte man bereits heitere Gespräche und Lachen. Man hatte die Kiste mit dem Weihnachtsschmuck für den Baum geöffnet und witzelte ausgelassen über den Inhalt. Die Lichterkette, welche feinsäuberlich vom Ruhigsten der Runde aufgewickelt war, wurde erneut zu ihm gereicht mit der Aufforderung, sie doch an dem Baum anzubringen. Nachdem er die warmweiße Lichterkette auf die Äste der Tanne gelegt hatte, begannen seine Freunde nach und nach Weihnachtskugeln an den Baum anzubringen und anderen Schmuck.

Ein paar Sachen hatten sie zusammen in den Jahren gebastelt, und diese erhielten immer einen Ehrenplatz. Anderer Weihnachtsschmuck war verbunden mit Erinnerungen, die sie teilten. Wie die kleine Blaue Kugel, welche mit silbernen Ornamenten verziert war. Es war der erste Weihnachtsschmuck, den sie sich als Freunde zugelegt hatten an ihrem ersten gemeinsamen Heiligabend. Mit der Zeit entschieden sie sich, den Baum in einem Rot-Gold zu schmücken und mit den Jahren wurden die blauen Kugeln immer weniger, bis irgendwann nur noch diese als Einzige übriggeblieben war. Obwohl sie farblich nicht mehr zu dem Schmuck passte, wurde sie doch immer an einen Ast befestigt und zauberte jedem der Freunde ein Lächeln auf die Lippen.

Nachdem sie den Baum fertig geschmückt hatten, war das Hähnchen fast fertig und verströmte würzigen, leckeren Duft in dem Haus. Während die Kartoffeln auf dem Herd kochten, betrachteten sie grinsend den Baum und einer machte ein Foto von der festlichen Tanne. Dann legte jeder seine Geschenke unter dem Baum und sie ließen sich für die restlichen Minuten, ehe das Essen fertig war, auf das Sofa nieder. Sie unterhielten sich ausgelassen über alles, was ihnen in den Sinn kam, und manchmal ergab sich daraus ein Gespräch, das man nicht erwartet hatte. Selbst die, die sich regelmäßig trafen, hatten einen unendlichen Gesprächsfluss, die auch beim Essen nicht abbrachen.

Nach dem Essen teilten sie ihre Geschenke. Es war ein Moment der Freude und Überraschung, als sie die liebevoll ausgewählten Aufmerksamkeiten in ihren Händen hielten. Sie scherzten und lachten, während sie die Mitbringsel auspackten. Das freudige Lächeln auf den Gesichtern war ein Geschenk an sich für die Freunde. In warme Decken gehüllt und mit dampfenden Tassen in den Händen, saßen sie um den Baum herum und erzählten sich Geschichten, lachten über alte Begebenheiten und genossen die Wärme und Nähe der Gemeinschaft. Der Raum war erfüllt von der Melodie ihrer fröhlichen Stimmen und dem süßen Duft von Zimt und Orangen.

Draußen war die klare Nacht mittlerweile wolkenbehangen und der Schnee fiel leise auf die Erde nieder. In dem Landhaus herrschte eine Atmosphäre der Geborgenheit und des Friedens. Eine Zeit des Innehaltens, Genießens und der Dankbarkeit, für alles, was dieses Jahr gebracht hatte und das neue Jahr bringen würde. Mit dem Klang der Kirchenturmuhr um Mitternacht wandelte sich die heitere Heiligabendfeier in eine stille friedliche Nacht. Die Freunde verabschiedeten sich, ebenso herzlich, wie sie sich begrüßt hatten, und versprachen sich bei der Ankunft zuhause kurz zu melden, damit man sich keine Sorgen machte.

Und so endete der Heiligabend mit der Vorfreude auf das nächste gemeinsame Beisammen sein und die Freude an der Gemeinschaft, die sie teilten. Die Erinnerung an die heutige Feier würde in den Herzen der Freunde verbleiben und für jeden von ihnen war es ein besonderer Heiligabend. Ein Abend ihrer Freundschaft und Liebe, die sie nie vergessen würden.

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