Am Meer

Frieden! Endlich schweigen die Gedanken. Hier an der See herrscht Stille trotz der tosenden Wellen und dem stürmischen Wind. Ich blicke auf das Meer und atme tief ein, so fühlt sich meine Heimat an. Das Leben wird allmählich entschleunigt und Ruhe kehrt ein. Ich sehe wie die See rhythmisch vor und zurück schwappen. Die Atmung verlangsamt sich. Das Herz wird ruhig. Nackte Füße teilen die kalte Welle und versinken langsam in dem durchtränkten Sand, der sie sanft umschließt. Geborgen und warm sind sie von dem Strand umfangen. Die Möwen kreisen über mir, in wilden Tänzen spielen sie mit der aufkommenden Böe. Es ist eine Freude, sie zu betrachten, wie sie im Luftstrom schweben und jede Brise spielerisch nutzen. Welch Leichtigkeit in ihrem Flug doch liegt.

Kalt weht der Wind über das Wasser und flüstert beschwichtigende Worte des Mutes. Während ich auf die raue See blicke und die Hand ausstrecke. Die graue Wolkendecke verspricht baldigen Regen und lässt mich träumen. Der salzige Geruch steigt in meine Nase und ich fühle, wie die Meeresbrise das Gesicht auskühlt. Lange habe ich mich nicht mehr so lebendig gefühlt.  

Endlich spüre ich mich wieder und weiß, wohin ich will. Unweigerlich muss ich lächeln und öffne die Augen, die Realität hat mich zurück. Eine Rabenkrähe sitzt in der Krone der Birke und blickt mich erwartungsvoll an. Seufzend schaue ich zum Himmel „Weiter geht’s“. Ich schließe das Fenster, bereit mich wieder in diesen Lebenstaumel zu stürzen. Doch egal, wo ich bin, ich trage den Norden in mir. Das Meer im Herzen und die Melodie der Wellen in den Ohren.

Tief in meinem Inneren verspreche ich, bald besuche ich das Meer!  

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